Quallen lernen

Quallen lernen

 

Sandstrand und darauf eine gestrandete Qualle. Ein Haufen gallertartige, durchsichtige Matsche, den man lieber nicht anfasst. Mich hat dieser Anblick nicht losgelassen und begann zu lesen: Anfassen würde ich den Haufen jetzt immer noch nicht. Bei toten Quallen funktionieren die Giftspritzen noch. Eine Giftzelle kann mit 150 bar ihre Ladung verschießen. (Fahrradreifen 4 bar)
Quallen sind Nesseltiere, Fleischfresser, leben in zwei verschiedenen Stadien: zunächst als muschelähnliche festsitzende Polypen, die sich ähnlich der Schmetterlins-Entwicklung, mit Übergangsstadium Zellhaufen in Quallen verwandeln und durch die Meere treiben lassen.
Es gibt Quallen, die in Symbiose mit Algen leben und von diesen per Fotosynthese mit ernährt werden. Es gibt Quallen, die sich nicht treiben lassen, sondern aktiv schwimmen und jagen. Es gibt Quallen, die, wenn es ihnen nicht gut geht, wieder rückwärts in Polypen entwickeln und neu starten – sie können sich kopieren und gelten als biologisch unsterblich. Bis zu zweitausend Meter tief im Meer gibt es diese weichen, zu 98% aus Wasser bestehenden Tiere. Wie halten sie diesen unvorstellbaren Druck aus?
Sie besitzen kein Gehirn, sehr wenige Neuronen, treffen aber Entscheidungen, haben ein Gedächtnis, lernen, schlafen und reagieren individuell! Wie geht das? Gehören Lernen, Schlafen und Gedächtnis zu den ganz grundlegenden Funktionen des Nervensystems?

Ähnlich viele grundlegende Fragen lassen sich zu jeder Tierart stellen. Oktopusse sind auch ein schönes Beispiel: Sie können blitzschnell ihr Körperäußeres in der Form, sie ahmen Pflanzen nach, und in der Farbe ändern. Unvorstellbar schön ist das oft. Aber sie sind farbenblind. Sie haben kein zentrales Gehirn, mehrere Herzen, nutzen Werkzeuge, ihre Tentakeln sind selbstständig. Oktopusse
nehmen selbstständig Kontakt zu Menschen auf, können sie auseinanderhalten und mögen manche gerne und andere gar nicht: diese spritzen sie im Labor regelmäßig nass. Usw.

Ich esse keine Tintenfische mehr.

Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass wir einfach zu doof sind, den Tieren gegenüber.
Bei dem Wissen, das wir heute haben können, ist jegliche Form von Käfighaltung Quälerei.

Dagmar Röhrlich, Medusa
Mare, HC, 24 €

Walter A. Sontag, Der Elefant, der sich ein Kopfkissen bastelte
C.H.Beck, HC, 29,90 €

Sy Montgomery, Die Geheimnisse des Oktopus
National Geographic, HC, 24,99 € großartige Fotos!