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Gute Gedichte, die wir finden, versenden wir per e-mail als Lyrik 46.
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Theorie
Heil dem, der rundherum gesund,
Auch seelisch ohne Klagegrund,
Nach einer wohldurschlafenen Nacht,
Springt aus dem Bette, dass es kracht!
Die Sonne scheint, es ist halb sechs -
Der Mensch, das herrliche Gewächs,
Sich fühlend als der Schöpfung Krone,
Treibt froh, mit Rundfunk oder ohne,
Den Frühsport, duscht im kalten Strahl,
Verzehrt vergnügt ein reichlich Mahl,
Liest seine Zeitung sorgenfrei,
Legt pünktlich auch sein Morgenei
Und eilt, der eigenen Spannkraft froh,
In Werkstatt, Schule und Büro,
Wo, bis ihn wieder Nacht umhüllt,
Er weit mehr als nur sein Soll erfüllt.
Verdrossen liest man dies Gedicht:
So müsst es sein - So ist es nicht!
Eugen Roth




Frühling im Gedicht
Siehe, auch ich -lebe
Also ihr lebt noch, alle, alle, ihr,
am Bach ihr Weiden und am Hang ihr Birken,
und fangt von neuem an, euch auszuwirken,
und wart so lang nur Schlummernde, gleich - mir.
Siehe, du Blume hier, du Vogel dort,
sieh, wie auch ich von neuem mich erhebe...
Voll innern Jubels treib ich Wort auf Wort...
Siehe, auch ich, ich schien nur tot. Ich lebe!
Christian Morgenstern
(1871-1914)
Die entschuldigte Blödigkeit
Doris:
Du siehest, wieviel mein Erröten
und Lächeln dir zärtlich verspricht.
Ist mehr als ein Blick dir vonnöten?
Oh, warum verstehst du mich nicht!
Empfindest und liebst du, so rede!
Du suchst mich und scheinst mich zu scheun.
Ist's möglich, so klug und so blöde,
gerührt und doch sprachlos zu sein?
Damon:
Ich sehe mit reinem Verlangen
dich, Schönste; dies stehet mir frei:
die Arme, den Busen, die Wangen,
die seh' ich und seufze dabei.
Oh, dürft' ich, statt Seufzen und Klagen,
hier küssen und spielen und ruhn!
Ich bin zwar zu blöd, es zu sagen,
doch dreist und geschickt, es zu tun.
Johann Matthias Dreyer
(1717--1769)




Nur damit du Bescheid weißt
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Ich habe
die Pflaumen gegessen
die im
Eisschrank waren
du wolltest
sie sicher
fürs Frühstück
aufheben
Verzeih mir
sie waren herrlich
so süß
und so kalt
(William Carlos Williams)
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Luganer See
Durchs Fenster strömt der See zu mir herein,
Der Himmel auch mit seinem Mondenschein.
Die Wogen ziehen über mir dahin,
Ich träume, daß ich längst gestorben bin.
Ich liege auf dem Grunde alles Seins
Und bin mit Kiesel, Hecht und Muschel eins.
Klabund, 1926


