Vittorio Magnago Lampugnani,
Die Stadt im 20. Jahrhundert
Das Opus Magnum des Architekten und Architekturhistorikers Vittorio Magnago Lampugnani über die Architektur der Stadt im 20. Jahrhundert: eine Ideengeschichte, eine Baugeschichte, eine Kulturgeschichte.
Warum hat eine Stadt zu ihrer speziellen räumlichen, physischen und ästhetischen Form gefunden? Lampugnani beantwortet diese Frage, indem er aus europäischer Perspektive Städte in der ganzen Welt betrachtet. Sein Buch basiert auf der Beobachtung, dass sich der Städtebau seit Jahrzehnten aufspaltet in die Architektur einerseits und die Stadtplanung andererseits. Befasst sich die Architektur mit dem Entwurf einzelner Bauwerke, so konzentriert sich die Stadt planung auf die Ausweisung von Nutzflächen und die Erfüllung von funktionalen, vor allem verkehrstechnischen Anforderungen, ohne räumliche oder gar ästhetische Vorstellungen zu entwickeln. Diese Spaltung zwischen Poesie und Zahlen – wie Lampugnani es formuliert – muss rückgängig gemacht werden, auch das zeigt er mit diesem Buch.
Ein Kompendium aus zahlreichen Einzelstudien, die sich zu einem noch nie dagewesenen Gesamtbild der Stadt des 20. Jahrhunderts fügen.
Über 640 meist großformatige und farbige Abbildungen – Stadtpläne, Entwürfe, Zeichnungen, Architekturphotographien, Luftaufnahmen – bereiten ein überraschendes visuelles Vergnügen und ermöglichen einen neuen Blick auf die Städte Europas und der Welt.
Vittorio Magnago Lampugnani,
Die Stadt im 20. Jahrhundert
Visionen, Entwürfe, Gebautes
Sachbuch. erscheint August 2010
Wagenbach Verlag, 912 Seiten. 2 Bände im Schmuckschuber. Großformat. Klappenbroschur
98,00 €
Zu diesem Buch haben wir einen Prospekt zum Mitnehmen hier.
Zettels Traum
Vor 40 Jahren veröffentlichte Arno Schmidt sein wichtigstes Werk, Zettel's Traum: 1334 DIN-A-3-Seiten stark, über zehn Kilogramm schwer und als Faksimile vervielfältigt. Schmidts eigene Befürchtung – »Es wird sich nicht mehr setzen lassen« – hatte sich bewahrheitet. Vor dem komplexen Layout des dreispaltigen Romans mit seinen zahlreichen Randglossen kapitulierten Setzerei und Verlag.
Nun endlich erscheint Zettel's Traum, das Werk, das Arno Schmidt auf einen Schlag berühmt machte, als gesetztes Buch. Jahrelange Arbeit von Setzern, Editoren und Korrektoren war nötig, um einen lesefreundlichen Schriftsatz herzustellen, ohne den Charakter des »Überbuchs« (Arno Schmidt) zu verändern und seine Eigenheiten zu glätten.
Mit dieser Ausgabe gilt es, einen Riesenroman neu zu entdecken: Er erzählt die Liebesgeschichte zwischen dem alternden Schriftsteller Daniel Pagenstecher und der sechzehnjährigen Franziska Jacobi und von Leben und Werk Edgar Allan Poes. Er entwirft eine eigene Literaturtheorie in der Nachfolge Sigmund Freuds und entwickelt wie nebenbei eine neue Rechtschreibung, die zum Beispiel die wahren Eigenschaften eines »Pleas'-see=Rocks« enthüllt. In Zettels' Traum finden Arno Schmidts Bemühungen um eine moderne Prosaform und eine angemessene sprachliche Abbildung des menschlichen Bewusstseins ihren vorläufigen Höhepunkt.
Arno Schmidt
Zettels Traum
Diese Ausgabe erscheint innerhalb der Bargfelder Ausgabe der Werke Arno Schmidts im Suhrkamp Verlag im Oktober.
Die Standardausgabe in einem Band: Leinen, Schuber, Schutzumschlag. Subskriptionspreis bis zum 31.1.2011: 298,- Euro (danach: 348,- Euro)
Studienausgabe in vier Bänden: broschiert, Schuber. Subskriptionspreis bis zum 31.1.2011: 198,- Euro
(danach: 248,- Euro)
Vorzugsausgabe in einem Band: Halbpergament im Schuber. Mit vier farbigen Faksimiles. 448,- Euro
(keine Subskription)
Wir stellen alle drei Ausgaben aus.
Einen Prospekt zum Mitnehmen haben wir für Sie hier.
Unsere Veranstaltung:
am Donnerstag, den 18. November 2010 im Bonner Kunstverein zusammen mit der Arno Schmidt Stiftung




Apostolos Doxiadis / Christos H. Papadimitriou
Logicomix
Eine epische Suche nach Wahrheit
"… ein einzigartiger Ansatz, der zu einem sensationellen Buch geführt hat, das jedem die Dramatik der Erforschung der Grundlagen unseres Denken eindrucksvoll vor Augen führt." Prof. Dr. Albrecht Beutelspacher, Gründer und Leiter des Mathematikums in Gießen
Logicomix ist die Geschichte einer leidenschaftlichen Suche nach Wahrheit – auf den unberechenbaren Meeren des Unendlichen.
Der Held und Suchende ist der brillante Mathematiker, Logiker und Philosoph Bertrand Russell. Schon in der Kindheit hatte er eine wahrhaft prometheische Idee: die Errichtung eines logischen Fundaments für die gesamte Mathematik.
Auf seiner Jagd nach absoluter Wahrheit trifft Russell auf legendäre Denker wie Gottlob Frege, David Hilbert und Kurt Gödel und findet einen leidenschaftlichen Schüler im großen Ludwig Wittgenstein. Dabei verliert er das Objekt seiner ihn bestimmenden Suche nie aus den Augen. Durch Liebe und Hass, Krieg und Frieden hält Russell an seiner Mission fest, die seine Karriere schließlich ebenso zu zerstören droht wie sein privates Glück – und ihn bis an den Rand des Wahnsinns führt.
Logicomix erzählt vom Ringen um die Lösung jener zeitlosen Fragen, die die Menschen seit ewigen Zeiten in Atem halten: vom im wahrsten Sinne des Wortes die Welt bewegenden Kampf zwischen unserer Vision von der Vernunft und dem Wahnwitz unserer Wirklichkeit.
Atrium Verlag, 352 Seiten, engl. Broschur, Format Din A4, 24.80 €
Sie können gerne einen Prospekt im buchLaden 46 mitnehmen.
www.logicomix.de




„Es kam Mr. Blood, als er an jenem duftigen, köstlichen Julimorgen
unter der Last ihrer Frucht sich biegenden Apfelbäumen dahinstapfte,
der Gedanke, dass der Mensch – wie er es schon lange vermutete –
das gemeinste unter den Geschöpfen Gottes war,
und dass nur ein Narr sich als Heiler einer Spezies niederlassen konnte,
die am besten ausgetilgt werden sollte.“
Dieser Arzt Dr. Peter Blood wird schon bald als Sklave nach Barbados transportiert:
der Mann, den er an diesem „köstlichen Julimorgen“ verarztete,
hatte an einem Aufstand gegen den englischen König teilgenommen...
In der Folge wird Peter Blood zu Captain Blood,
dem gefürchtetsten Piratenkapitän der Karibik des 17. Jahrhunderts.
Mutig und ideenreich führt er die „Brüder der Küste“ in den Kampf
gegen englische Sklavenhalter und königstreue Soldaten.
Seine Kampfweise zeichnet sich durch Intelligenz, Mut und Dreistigkeit aus.
Seinen Idealen von Ehre, Menschlichkeit und Achtung bleibt er treu
und die Grausamkeit und Habgier seiner „Brüder“ verachtet er.
Was leitet ihn? Natürlich die Hoffnung auf die Erfüllung seiner großen Liebe.
Begeistert schon die Schilderung der Seegefechte, so setzen die Wortgefechte,
die Blood sich furchtlos mit allen Mächtigen liefert, dem Lesegenuss die Krone auf!
Unbedingt lesen!
Und:
Nichts gegen Abenteuerromane! Die Odysse ist auch einer und die Bibel auch.
Als „Unter Piratenflagge“ 1935 verfilmt mit Errol Flynn.
Holger Schwab
Raffael Sabbatini, Captain Blood
UnionsVerlag, 12.90 €
Hier noch mehr Lesetipps:
[Fortsetzung...]



Seit über 2000 Jahren stellen wir uns vor:
Pflanze zuunterst, dann das Tier und darüber Mensch - in dieser Wertigkeit.
Jetzt hören sie mal:
Pflanzen besitzen ein Selbstbewusstsein, das eigentlich nur „höhere“ Lebewesen haben dürften. Sie können mit anderen Pflanzen kommunizieren – mit Hilfe von bislang eintausend bekannten Stoffen. Innerhalb kürzester Zeit können sie Nektar produzieren und zwar an den Blattstielen, der die Fraßfeinde der sie an-greifenden Raupen anlockt. Sie bestimmen darüber, welche angelockt werden!
Und: sie müssen so etwas wie ein Gehirn besitzen,
das diese komplizierten Vorgänge steuert.
Es gibt eine ganze Menge Wissenschaftler (u.a. in Bonn das Institut für Pflanzenneurobiologie), Bauern, Philosophen auf der ganzen Welt, die sich mit diesen Phänomenen beschäftigen, sie erforschen und erfolgreich nutzen. Diese hat Florianne Koechlin besucht und interviewt und ihrem Buch Pflanzenpalaver veröffentlicht. Es entsteht ein vollkommen neues Bild der uns umgebenden Natur.
Pflanzenfreunden haben wir diesen Herbst eine ganze Menge zu bieten:
Ein Buch über die Geschichte der Botanik, die Bücher des Gärtnerphilosophen Dahl, sogar ein Band mit Blumengedichten, sagenhafte Bildbände über Wälder und die Sexualität der Pflanzen.
Florianne Koechlin
Pflanzenpalaver – Belauschte Geheimnisse der botanischen Welt
Lenos, gb., 19.90 €
Anna Pavord
Wie die Pflanzen zu ihrem Namen kamen –
Eine Kulturgeschichte der Botanik
Berlin, gb., 39.90 €
Die Sexualität der Pflanzen - Bildband
Knesebeck., gb., 49.95 €
Jürgen Dahl
Der neugierige Gärtner +
Nachrichten aus dem Garten
Manuskriptum, gb.,je 19.90 €
P. Bourseiller
Wildnis der Wälder
Knesebeck, Großf., geb., 39.80 €
Ich wollt ein Sträußlein binden – Blumengedichte
DTV, 7.90 €
)




Kennen Sie die Einsteinsche Bienen-Relativität?
„Wenn die Biene von der Erde verschwindet, dann hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Biene mehr, keine Bestäubung, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr…“ . Sie ist unser drittwichtigstes Haustier, nach dem Rind und nach dem Schwein. Ohne sie gäbe es keine Landwirtschaft. Der Verlust wäre nicht nur ein ökonomischer, es gingen ganz wunderbare Tiere verloren! Es gibt sie seit 50 Millionen Jahren. Eine Königin der Honigbienen kann 100000-200000 Eier in einem Sommer legen, die sie selber befruchtet. Ein Mensch müsste täglich 20 Säuglinge gebären. Nach fünf Tagen würden diese schon 3.5 Tonnen wiegen! Das Bienenwachs wird nicht gesammelt, wie man lange glaubte, sondern von den Bienen im Hinterleib selber produziert. Stellen Sie sich einen Bauarbeiter vor, der Ziegelsteine aus den Rippen quetscht, nach Wunsch des Bauherren gestaltet. (Foto oben!)
Sie können extrem schnell lernen, haben Intelligenz und nähren ihre Nachkommen, wie die Säugetiere: sie säugen sie.
[Fortsetzung...]



Sie sagt: „Du wirst französischer Botschafter!“
und er verspricht es ihr. Er ist gerade acht Jahre alt.
Aus Litauen nach Frankreich in den 20er Jahren eingewandert,
muss die Mutter sich sehr anstrengen ihren Sohn Romain zu versorgen.
Jeden Tag bekommt er sein Stück Fleisch.
Einmal überrascht er sie versehentlich in der Küche,
als sie gerade die Pfanne ausleckt.
Sie bekommt einen Wutanfall, weil er sie bloßstellt.
Aber der unerschütterliche Glaube an die Größe der französischen Nation
gibt Ihr immer wieder die Kraft alle Fährnisse zu überwinden.
Als Romain zum Abschluß seiner Piloten-Ausbildung in der französischen Armee nicht,
wie alle 299 Kameraden, zum Leutnant befördert wird, da er
kein geborener Franzose ist, steckt er in der Klemme.
Seine Mutter wartet darauf, ihn mit neuer Uniformjacke zurückkommen zu sehen.
Er erzählt ihr, die den wahren Sachverhalt natürlich ahnt,
er habe die Tochter des Hauptmanns verführt und sei erwischt worden.
Sie: „War sie schön?“ - „Ja, Mama, war sie!“
Das Buch ist autobiographisch angeregt. Romain Gary wurde tatsächlich,
wie seine Mutter voraussagte, französischer Botschafter, erfolgreicher Schriftsteller
und kleidete sich in London.
Sogar ein Attentat auf Hitler hätte er verübt,
hätte seine Mutter es sich nicht in letzter Minute anders überlegt.
Aber: Ist das eine Verbrechen?
Ein enges Verhältnis zur seiner Mutter zu haben? Es gibt zumindest schlimmere!
Beste Unterhaltung mit funkelnder Selbstironie.
Holger Schwab
Romain Gary,
Frühes Versprechen
Schirmer und Graf, geb., 22.80 €



Tolles Buch!
Die Queen liest durch Zufall ein Buch –
und ist verloren für die Welt der Politik.
Lustig und geistreich!
Alan Bennett
Die souveräne Leserin
Wagenbach, Salto (schönes rotes Leinen), 14.80 €
"Lieber Holger,
der Buchtipp "Souveräne Leserin" war ganz toll - ein JUWEL!
Zuerst habe ich gedacht: Ein Buch über die Queen, naja ...
Als ich dann das Bild auf dem Titel sah fand ich es - süß ...
Dann habe ich morgens im Bus zur Arbeit angefangen zu lesen -
abends auf dem Nachhauseweg im Zug weitergelesen ...
dabei andauernd vor mich hin gegiggelt und gegaggelt
und als ich mal aufsehe, sitzt mir gegenüber eine ältere Dame,
die SEHR streng zurückschaut und beginnt die Stirn zu runzeln -
das war mir irgendwie peinlich und ich habe ganz schnell wieder
ins Buch geschaut und weitergelesen.
Abends habe ich das Buch bis zu dem genialen letzten Satz gelesen und
stelle mir noch immer das Gesicht des Premierministers NACH diesem Satz vor ...
Jetzt ist das Buch unterwegs nach Toulouse als Geburtstagsgeschenk
und - ich brauche ein neues Exemplar."




Das schwarze Loch

Wissen Sie, wie die erste Web-Adresse Adresse lautete, die es gab?
www.cern.ch
Ein am CERN beteiligter Physiker hatte 1984 das world wide web erfunden,
um den Austausch zwischen Wissenschaftlern zu verbessern.
Wissen, was das CERN ist?
Wenn Sie es nicht wissen, sind Sie einer derjenigen,
die der morgige Tag nicht schrecken wird.
Morgen soll ein schwarzes Loch im CERN entstehen,
das eines Tages unsere Erde verschlingen wird.
So zumindest die Befürchtung eines eifernden Chaosforschers (Peter Rössler),
die aber auf Mißverstänissen der Einsteinschen Relativitätstheorie beruhen soll.
Gott (?) sei Dank!
Das CERN ist die "Europäische Organisation für Kernforschung".
Diese hat gerade die größte Menschen gemachte Maschine in Betrieb genommen:
den LHC, den größten Teilchenbeschleuniger der Welt.
Er befindet sich 100 m unter der Erde,
erstreckt sich über ein riesiges (600 Fussballfelder) Gebiet
in der Schweiz und in Frankreich. Am CERN sind 2500 Menschen beschäftigt und mehr als 7000 Forscher der ganzen Welt (!) arbeiten hier zusammen, um physikalische Theorien weiterzuentwickeln. Das morgige Experiment, in dem Protonen mit nahezu Licht-geschwindigkeit gegeneinander geschossen werden, soll kleinste Teilchen nachweisen, um den Antworten auf die Fragen "Was ist Materie" und "Welche Kräfte wirken zwischen den kleinsten Teilchen?" näher zu kommen.
Das sind entscheidende Fragen,
deren Beantwortung unser ganzes Weltverständins beeinflußt.
Z.B.: ist Gott noch aktiv
und greift er über das (Higgs-) Gottteilchen heute in die Schöpfung ein?
Wohlgemerkt: Das ist eine von Physikern gestellte Frage!
Rolf Landua, Am Rand der Dimensionen -
Gespräche über die Physik am Cern.
edition unseld, 105 S., 10 €
Holger Schwab




„Dann näherte er sich Stephania
und küßte dieselbe dreimal auf den Mund,
zu Ehren der heiligen Dreifaltigkeit.
Stephania aber sagte:
„Nachdem ich nun, bedrängt vom Ungestüm Eures Begehrens
und ermutigt vom Geheiß meiner Herrin, Euch geküßt habe,
ist es mein eigener Wunsch und Wille, daß Ihr von mir Besitz ergreift,
aber nur oberhalb des Gürtels.“
Diafebus ließ sich das nicht zweimal sagen...“
Dies stammt aus einem Roman, der in der Zeit geschrieben wurde,
als der Buchdruck erfunden wurde. 1490 setzte und druckte ihn ein
deutscher Buchdrucker in Valencia.
Das Buch heißt: Roman vom weißen Ritter Tirant lo Blanc
und ist jetzt zum ersten Mal komplett im Deutschen erschienen.
Dieser alte Roman hat alles, was ein gutes Buch heute haben muß.
Auch wenn Tirant lo Blanc als Ritter so etwas wie eine Kampfmaschine ist
- er ist quasi unbesiegbar – kann er sich gut ausdrücken,
seinen Gesprächspartnern zuhören und diesen ausführlich
und schön formuliert antworten: über seine Gefühle,
seinen Glauben, seine Ideale und seine Erfahrung als Ritter.
Und das Buch ist lustig.
Also: unbedingte Empfehlung zum Lesen – lassen sie sich vom Umfang (1500 Seiten)
nicht abschrecken: Ein Kunde war betrübt es
schon nach einem Wochenende das Buch ausgelesen zu haben.
Juannot Martorell
Der Roman vom weißen Ritter Tirant lo Blanc
Fischer, drei Bände geb. im Schuber 98 €




Orhan Pamuk ist der neue Literaturnobelpreis-Träger
Das ist kein Wunder, sondern Literatur.
"Die vermessene Behauptung, mit der Pamuk antritt, lautet:
Es kann euch nicht egal sein, was in dem anatolischen Kaff,
dessen Namen ihr nie zuvor gehört habt, vor mehr als zehn Jahren
im Laufe einiger verschneiter Wintertage so oder so ähnlich
geschehen sein könnte.
Nach der Lektüre des Buches ist es uns tatsächlich nicht mehr egal.
Das ist kein Wunder, sondern Literatur."
Hubert Spiegel, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.05.05
Über Pamuk und seine Bücher -
[Fortsetzung...]



Ein Sohn besucht nach zehn Jahren seinen Vater.
Der ist inzwischen krank und lebt im Altersheim.
Wunderbar zeigt Thomas Lang in seinem kleinen
Roman Am Seil, wie sie aneinander vorbei reden,
weil sie immer schon zu wissen glauben, was der
andere ‚eigentlich’ meint. In der Schlussszene hängen
beide in den Deckenbalken einer alten Scheune, von der
Bergsteigerausrüstung des Sohnes gehalten
(hier kann er dem Alten endlich zeigen, was er kann),
ohne dass er überhaupt verstanden hätte, was der Vater dort will.
Ein schönes Bild für die Verstrickung in der beide gefangen sind.
Überraschend, ganz am Ende des Buches, wird diese
Situation durch einen beherzten Schritt des Sohnes gewendet:
Gutes Buch!
Holger Schwab
Thomas Lang
Am Seil
Beck, gb., 16.90 €




„Hier kommt jetzt die Nachricht:
Ich werde die Brown & Williamson Tobacco Company,
die Hersteller von Pall Mall-Zigaretten, auf eine Million Otzen verklagen!
Seit ich gerade mal zwölf Jahre alt war, habe ich nie etwas anderes kettegeraucht
als filterlose Pall Malls. Und seit vielen Jahren versprechen jetzt schon Brown und Williamson mich umzubringen.
Ich habe gehofft in würdigem Alter zu sterben.
Aber ich bin jetzt zweiundachtzig. Vielen herzlichen Dank, ihr miesen Ratten.
Das allerletzte, was ich jemals wollte, war, am Leben zu sein, wenn die drei mächtigsten Menschen auf dem ganzen Planeten Bush, Dick und Colin heißen.“
So schreibt Kurt Vonnegut in Mann ohne Land.
Das ist ein Buch über alles Mögliche und fast eine Autobiographie.
Er schreibt darüber warum Männer und Frauen sich nicht verstehen, über das Christentum,
über Helden (Ignaz Semmelweis: kennen Sie ihn? Sollten Sie aber!), in einer wahnwitzigen Creative-Writing-Lesson über den mangelnden tragischen Gehalt von Shakespeares Hamlet,
über die kulturellen Leistungen der arabischen Kultur (Haben Sie schon mal versucht, mit römischen Zahlen schriftlich zu dividieren?), erzählt Witze usw.
Egal worüber er schreibt, es geht immer um seine Fassungslosigkeit angesichts dessen, was die Menschen mit dieser Erde und dem Leben darauf anstellen. Diese Fassungslosigkeit kleidet er in einen Humor, der wirklich einmalig ist. Vonnegut eben.
Holger Schwab
Kurt Vonnegut
Mann ohne Land
Pendo, gb., 16.90 €
Übersetzt von Harry Rowohlt
[Fortsetzung...]




Von seltenen Vögeln
Tagelang ruft er nach ihr, kommt sie endlich zu ihm, jagt sie ihn erst einmal.
Dann der erste Kontakt: eine wilde Schlägerei! Sie ist die Stärkere.
Seine Unerschrockenheit überzeugt sie immerhin, sich einmal seine Wohnung anzusehen.
Aber nur vom Eingang aus! Er tanzt für sie: Einen langsamen gestampften Flamenco, dazu schnalzt, faucht und klappert er. Es dauert vier Wochen, bis sie sich ganz auf ihn einlässt.
Zum ersten Mal schlafen sie zusammen; anschließendes Liebkosen Wange an Wange, ein Nickerchen und dann ein Liebesmahl. Zunächst einmal in der Nacht.
Zwei Wochen später stündlich. Immer in der gleichen Folge: Vögeln, Schmusen, Schlafen, Essen.
Das Essen besteht aus einer Maus, mit der er sie füttert.
So ist nämlich das Liebesleben der Schleiereulen.
Im Buch der Schriftstellerin und Illustratorin Anita Albus können sie es nachlesen.
Sie hat das schönste Buch seit langem über Vögel gemacht. Nicht, weil sie sehr aufwendige Illustrationen für das Buch machte, sondern weil sie einfach gut schreiben kann,
was sonst nur in wissenschaftlicher Sprache zu lesen ist.
Anita Albus, Von seltenen Vögeln
S. Fischer, geb., 48 €
Was fasziniert uns Menschen eigentlich so sehr an Vögeln?
Vögel sind die attraktivste Gruppe der Lebewesen!
In Berlin beispielsweise leben etwa 300 Vogelarten. Sie alle kann man sehen und hören. Dagegen gibt es dort 50 Säugetierarten, die aber bis auf die allgegenwärtigen „Häufchenmacher“
nur nachts zu „sehen“ sind. Und Fische gibt es 25 Arten...
Vögel sind bunt, stimmgewaltig und: Sie können fliegen!
Der Vogelkundler Peter Berthold versucht so, die Attraktion der Vogelwelt für den Menschen zu erklären. Damit leitet er seinen Vortrag über den Vogelzug ein. Der Vogelzug ist ein Triumph der Superlative und berührt in seiner Erforschung fast alle Wissensgebiete!
Als die CD, von der hier die Rede ist, aufgenommen wurde, konnte sich Bertold
kaum in die Disziplin der Aufnahmesituation einfin-den: Immer wieder warf er in seiner Begeisterung das Mikrofon um oder machte zuviel Krach. Herausgekommen ist aber
ein wirklich mitreißender Vortrag über den Vogelzug und die Geschichte seiner Erforschung. Erschienen ist er bei Supposé, wo unglaubliche Fundstücke aus den Radioarchiven ausgegraben und uns zugänglich gemacht werden.
Peter Berthold, Faszination Vogelzug
Supposé, 2 CDs, 24,80 €




Ralph Ellison, Unsichtbar
Das Buch erzählt auf einzigartige Weise die Geschichte eines schwarzen Mannes in den USA der dreissiger und vierziger Jahre. Dieses Leben ist eine Odyssee, die alle Stationen und Erfahrungen schwarzer Menschen in Amerika erfasst. Sein Weg führt von der Sklaverei der Südstaaten in den gelobten Norden, nach New York. Die Frage, die ihn antreibt, ist die klassische Frage aller guten Romane: "Wer bin ich, wo ist mein Ort zu leben?" Er findet zwar einiges von dem, was er ist, aber es passt nichts zusammen. Letztlich gibt es nur die eine Antwort: Ich bin unsichtbar. Ich bin unsichtbar, weil alle durch mich hindurchschauen, weil sie mich nicht sehen wollen. Als letzten Ausweg sucht er sich einen Knoten in der Zeit, in dem er sich in seine Höhle, einen Keller, zurückzieht, wo ihm
1369 Lampen seine Lebendigkeit bestätigen.
Das Buch ist grandios geschrieben, wechselt beständig zwischen ruhigen, erzählenden und chaotischen, stürmischen Passagen, zwischen Traum und Realität, Brutalität und Komik. Das Buch erschien 1952 und wurde sofort mit dem National Book Award ausgezeichnet. Es hat viele Autoren durch seine kunstvolle Erzählweise beeinflusst und gehört bis heute zur Schullektüre in den USA. Das sollte nicht davon abhalten es zu lesen!
Man liest unvergessliche Szenen!
Das Foto ist eine inszenierte Fotographie von
Jeff Wall.
Erschienen im prachtvollen Bildband
Jeff Wall, Photographs, Steidl Verlag, gb., 50 Euro
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Ralph Ellison
Unsichtbar
rororo, 9.90 Euro
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Ralph Ellison
Der unsichtbare Mann
(Das ist eine überarbeitete Übersetzung)
Ammann Verlag, gb., 15.50 Euro
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